Für eine nachhaltige Trinkwasserversorgung

Ein frischer Spätsommer-Morgen im Enge-Quartier in Zürich. Nur ein Steinwurf vom Bahnhof entfernt, befinden sich die Büros des SVGWs. André Olschewski, Leiter Bereich Wasser, empfängt uns zum Interview.

Lieber André, wir sind gespannt zu erfahren, wieso der SVGW die Schtifti Foundation seit mehreren Jahren unterstützt. Doch zuerst interessiert uns eine andere Frage: Wofür setzt sich der SVGW ein?

SVGW steht für Schweizerischer Verein des Gas- und Wasserfachs. Uns gibt es seit 140 Jahren und wir sind die Fachorganisation für Trinkwasserversorgung und auch für Gas. Eine der zentralen Aufgaben sehen wir darin, jederzeit und für alle einwandfreies Trinkwasser bereitstellen zu können.

Nun stellt sich den Lesern vielleicht die Frage, was Erd-/Biogas und Wasser verbinden. Beide sind auf eine ähnliche Infrastruktur auf Gemeinde-Ebene angewiesen. Unsere Mitglieder bestehen zu einer Mehrheit aus Wasser- und Gasversorgern.

Als Verein setzen wir uns für die Gassicherheit, das Lebensmittel Trinkwasser sowie für den Bau und Erhalt der Infrastruktur ein. Der Wert der Trinkwasserinfrastruktur beläuft sich in der Schweiz auf 50 Mrd. Franken. Da es sich um eine selbstverwaltete Branche handelt und es kein Bundesamt für Trinkwasser gibt, nehmen wir zur Sicherung einer nachhaltigen Trinkwasserversorgung die zentrale Rolle ein.

Nun zu unserem „daily business“: Wir machen technische Beratungen, erarbeiten Regelwerke, publizieren Fachwissen und bilden Fachkräfte aus. An unseren drei Standorten in Bellinzona, Lausanne und Zürich arbeiten gut 50 Personen. Zudem unterhalten wir eine Zertifizierungsstelle in Schwerzenbach.

André Olschewski leitet seit zwei Jahren den Bereich Wasser beim SVGW. Der diplomierte Kulturingenieur ETH mit einem MAS in Raumplanung wohnt in Zürich, hat zwei Söhne und trinkt am liebsten Hahnenwasser und Espresso. An seinem Beruf schätzt er besonders, dass er sich für etwas Sinnvolles einsetzen kann.

Spannend! Mit welcher Motivation unterstützt ihr die Schtifti Foundation?

Im Bereich Trinkwasser ist unser Verein auch für die Interessensvertretung und Wissensvermittlung von Trinkwasserthemen zuständig. Beispielsweise unterhalten wir mit www.wasserqualitaet.ch eine Plattform, bei der Konsumentinnen und Konsumenten die Trinkwasserqualität von rund 900 Gemeinden abfragen können.  Wir sorgen uns neben der politischen Vertretung auch um das Image des Lebensmittels Trinkwasser. Es ist wichtig, dass die Schweizer Bevölkerung den Wert von Trinkwasser, seine sehr gute Ökobilanz und dessen Verfügbarkeit 24/7 kennt und schätzt. Dieses Privileg ist nicht selbstverständlich. Beim Segment der Kinder und Jugendlichen setzen wir dabei auf GORILLA, um auf eine zeitgemässe und lustvolle Art mit der Zielgruppe in einen Dialog zu treten.

Welche Projekte halten euch die nächsten Monate beschäftigt?

Da gibt es gleich ein paar! Anpassungen am Regelwerk halten uns laufend auf Trab. Zusätzlich werden wir in den nächsten Monaten die eidgenössisch zertifizierte Ausbildung zum „Brunnen-Meister“ umfassend überarbeiten. Und dann sind wir in letzter Zeit auch vermehrt in Bern anzutreffen. Die Trinkwasser-Initiative wird nächstes Jahr im Parlament behandelt und kommt im Februar/März 2020 vors Volk. Obwohl sie sich mit einigen unserer Kernanliegen deckt, ist sie lückenhaft. Aus diesem Grund arbeiten wir an einem Gegenvorschlag und hoffen, dass er von Politikern aufgenommen wird.

Im Hitze-Sommer sind die Wasserspiegel stark gesunken. Geht uns schon bald das Trinkwasser aus?

Nein, die Schweiz verfügt über reichlich Wasser. Aber dieser Sommer war schon speziell. Das Grundwasser, das für viele Wasserwerke entscheidend ist, fiel in vielen Gegenden auf einen sehr tiefen Stand, besonders in der Ostschweiz. Wasserwerke an Seen und Flüssen hatten dagegen kaum Probleme. Bei kleineren Versorgern, die das Wasser vor allem aus Quellen beziehen, gab es aber Engpässe und dort wurden Wasserspar-Aufrufe gemacht. Wichtig für die Zukunft – und daran arbeiten wir bereits seit mehreren Jahren – ist die ausreichende Vernetzung der Wasserwerke.

Vielen Dank für das Gespräch André!

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